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Auf dieser Seite erscheinen aktuelle Informationen, die für Kursteilnehmer, Konzertbesucher, Vereinsmitglieder und Förderer der Akademie von Interesse sind.
Kreiszeitung Böblinger Bote, 6. November 2007Professor Simon Standage unterrichtet im Feuerwehrhaus junge Musiker Altdorf entwickelt sich zum Mekka für Geiger
VON JAN RENZ Altdorf - Ein kalter Novembermorgen: Im Saal des Altdorfer Feuerwehrhauses tönt eine warme Geige, kleine Fingerübungen mit loderndem Ton. Der Kurs mit Professor Simon Standage aus London beginnt pünktlich um 9.30 Uhr. Er hat am Mittwoch mit einem Dozentenkonzert angefangen und wird am Sonntagmorgen mit einem Werkstattkonzert enden. Die Atmosphäre ist entspannt, es wird viel gelacht. "Lehren ist immer Lernen", sagt Standage, der weltbekannte Barockgeiger aus London. Auf der Bühne der Holzgerlinger Stadthalle wirkte Standage an jenem Mittwoch als Autorität. Souverän und spannend war sein Spiel. Im Feuerwehrhaus zwei Tage später ist er leger, aber nicht nachlässig gekleidet, ein feines Lächeln liegt auf seinen Zügen. Dass der Dozent jemals laut oder auch nur ungeduldig werden könnte, kann man sich nicht vorstellen. Standage ist ein berühmter Geiger und ein bescheidener Mensch, ein Mann der leisen Töne. Er ist Professor an der Royal Academy of Music in London, ein Studium an diesem Institut ist fast unerschwinglich. In Altdorf leitet der unkomplizierte 65-Jährige bereits den siebten Meisterkurs, untergebracht ist er bei dem Ehepaar Engelke. Teilnehmer sind Orchestermusiker und Geigenlehrer. Unterrichtssprache ist Englisch, aber Standage streut immer wieder deutsche Wendungen ein: "Handgelenk" sagt er oder "atemlos" oder "streng". Man versteht, was er meint, denn er kann mit spielender Leichtigkeit alles auf seiner Geige vorführen. Simon Standage, sagt der junge Geiger Simon Steinkühler, demonstriere regelmäßig, "wie genau man spielen kann". Der Kurs sei ein "Ansporn zum Üben." "Man erhält viele neue Ideen, auf die man von selber nicht kommen würde." Bei den Kursen lerne man außerdem neue Leute und neue Stücke kennen. Simon Steinkühler kommt aus Oberaudorf am Inn. Nach ihm stellt sich Nicole Inoue vor dem Cembalo auf (eine Cembalistin aus Basel begleitet die Eleven). Die hübsche junge Dame ist aus Detmold angereist, und Standage lobt ihren Couperin. "Es war gut", sagt er. Seine Sätze sind kurz: "Mehr Leidenschaft!", fordert er einmal. Oder: "Es muss glitzern!" Im Vordergrund des viertägigen Kurses steht diesmal französische Barockmusik. "Ich mag alle Musik", stellt der Professor bei der Kaffeepause fest. Der 27-jährige Sohn besitzt eine eigene Band, laute Musik wird dort gepflegt. Im ersten Stock des Hauses steht ein Schlagzeug, in der oberen Etage widmet der Hausherr sich der leisen Barockmusik. Ein anderer Sohn ist ein renommierter Journalist, die Frau ist Organistin. Seit 1992 ist Simon Standage Dozent für Barockvioline der Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg und er leitet das Barockorchester der Akademie. Seit 15 Jahren also kennen sich Ulrike Engelke und der Geigenprofessor, der mit sechs Jahren den ersten Unterricht erhielt. "Er ist mein bester und zuverlässigster Dozent", schwärmt Ulrike Engelke, die Direktorin der Akademie. Wie kommt ein Dozent dieses Kalibers nach Altdorf? Die Akademiedirektorin lernte ihn durch seine Aufnahmen kennen, die Simon Steinkühler "legendär" nennt. Standages Spiel muss eine Offenbarung gewesen sein, so dass Ulrike Engelke umgehend den Kontakt suchte. Über viele Jahre hinweg war Standage Konzertmeister und Solist von "The English Concert", das Trevor Pinnock und er 1972 gründeten. Viele Maßstab setzende Aufnahmen sind auf historischen Instrumenten entstanden. Kein Wunder, dass die jungen Geiger ins kleine Altdorf kommen, um von dem Virtuosen aus London zu lernen. Der Saal des Feuerwehrhauses eignet sich übrigens bestens für diese Kurse. "Wir sind der Gemeinde Altdorf sehr dankbar, dass sie uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt", sagt Ulrike Engelke. Am Samstagabend fanden bei den Engelkes das Vorspiel aller erarbeiteten Werke und ein "gemütlicher Ausklang" statt, wohl in familiärer Atmosphäre. In einem halben Jahr wird Professor Standage, der selten Deutschland besucht, wieder in Altdorf sein.
Akademie seit 2004 in AltdorfDer Traum einer FlötistinAltdorf (jr) - Im Jahr 2007 feierte die Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg das 15-jährige Bestehen. Auf Initiative der Altdorfer Flötistin Ulrike Engelke wurde die Institution im Sommer 1992 als Dresdner Akademie für Alte Musik gegründet. Damals herrschte im Bereich der ehemaligen DDR Nachholbedarf in Sachen historisch informierten Musizierens. "Es ging allen so, dass man schrecklich gern Alte Musik machen wollte, aber nicht wusste, wie", sagt Prof. Ulrike Engelke heute. Hier konnten sie und ihre Dozenten Basisarbeit leisten. 2004 siedelte die Akademie ins beschauliche Altdorf um. Vielerlei Gründe waren dafür verantwortlich. Seitdem gibt es in dem kleinen Dorf hochkarätige Barockkonzerte und Meisterkurse mit namhaften Dozenten. Der berühmteste ist wohl Simon Standage, Professor in London, der regelmäßig nach Altdorf kommt und erst jetzt wieder einen Konzertauftritt (in Holzgerlingen) mit einem Kurs (in Altdorf) verband. "Kulturelles Leben im Kreis um eine Attraktion reicher", lautete Ende April 2004 die Überschrift in der KREISZEITUNG. Tatsächlich konnte man in den letzten Jahren einige schöne Konzerte in Altdorf, Böblingen oder Holzgerlingen mit Künstlern der Akademie erleben. Die Gemeinde Altdorf stellt übrigens die Räumlichkeiten für die Meisterkurse zur Verfügung. Im Keller der Schule befinden sich die Räumlichkeiten der Akademie, es riecht etwas muffig. Ziel der Akademie ist nicht nur die Ausrichtung von Konzerten. Man will jungen Musikern die Möglichkeit geben, in Zusammenarbeit mit renommierten Dozenten den eigenen Horizont zu erweitern und das Spiel zu verfeinern. Einen Traum hat Ulrike Engelke noch: Ein Hammerflügel würde dringend gebraucht, kompetente Pianisten wären vorhanden. Aber die Finanzen der kleinen Akademie lassen eine Anschaffung nicht zu. Man ist also auf der Suche nach einem Sponsor. |