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Geburtstag von Ulrike Engelke im Mai 2011Interview der Sindelfinger/Böblinger Zeitung in der Ausgabe vom 18.06.2011Ein ganz einfacher Beweis 18.06.2011 - Von unserem Mitarbeiter Christoph Martin HauffDie SZ/BZ sprach mit der Altdorf MusikerinSie blicken auf ein musikerfülltes Leben zurück. Wie und wo hat das angefangen? Ulrike Engelke: „Das hat angefangen mit meinem Vater, Alfred Klose. Er war Lehrer in Sindelfingen an der Klostergartenschule. Mitbegründer der Musikschule und Leiter des Volkshochschul-Singkreises. Musikwissenschaftlich hat er sich zum Beispiel mit Georg Philipp Telemann beschäftigt. Meinem Vater also verdanke ich meine ersten musikalischen Eindrücke, zuerst auf der Sopran-, dann auf der Altblockflöte." Mit welchem Instrument haben Sie angefangen? Ulrike Engelke: „Bald durfte ich in einem Spielkreis mitwirken. Das war in Schöntal im Hohenlohekreis, wohin es meinen Vater nach dem Krieg mit seiner Familie verschlagen hatte. Unbedingt sollte ich nach seiner Meinung auch noch ein Streichinstrument lernen, und so bin ich zur Violine und zur Viola gekommen. Meine Studien gingen weiter auf der Blockflöte bei Hans-Ulrich Niggemann an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, im Hauptfach Querflöte bei Karl – Friedrich Mess, auf der Viola bei Emil Kessinger, im Gesang bei Eva Dräger. Schnell konnte ich anfangen, mitzuspielen und mitzusingen in Musik-Ensembles sowohl in Sindelfingen als auch in Böblingen, z. B. in der Böblinger Kantorei unter deren Gründer Karl Böbel." Was empfinden Sie als die Höhepunkte sowohl ihrer musikalischen als auch Ihrer pädagogischen Arbeit? Ulrike Engelke: „Als erstes Highlight möchte ich Innsbruck nennen, meine Zeit als Dozentin für Travers- und Blockflöte bei der Internationalen Sommer-Akademie für Alte Musik als Nachfolgerin von Hans-Martin Linde, von 1984 bis 1992. Ebenso wichtig für mich wurde meine Tätigkeit am Forschungsinstitut für Alte Musik im Kloster Michaelstein bei Blankenburg im Harz, damals in der DDR. Dort konnte ich zwischen 1986 und 1992 auch regelmäßige Fortbildungskurse für Blockflöte mit bis zu 100 Teilnehmenden leiten. Der dritte Höhepunkt wurde dann die Tätigkeit, die ich bis heute ausübe: 1990 wurde ich für den Aufbau einer „Abteilung Alte Musik" an der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden geholt. Die Beziehungen zu Baden-Württemberg gehen auf diese Zeit zurück, denn das Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg hat bis 1994 meine Arbeit an der Musikhochschule finanziell unterstützt. Nachdem eine Abteilung Alte Musik an der Hochschule nicht zustande kam, habe ich 1992 in Dresden die Akademie für Alte Musik gegründet. Zu meiner Arbeit gehörten damals Angebote für Musiker mit abgeschlossenem Studium: Aufbaustudiengänge für Barockvioline, Travers- und Blockflöte, Barock-Violoncello, Gambe und Cembalo alle 14 Tage. 1992-1997 folgte meine Gastprofessur für Historische Instrumental- und Aufführungspraxis und Travers- und Blockflöte an der Tynska –Scola der Karlsuniversität Prag, eine Arbeit in einer Stadt, der ich viele Anregungen verdanke. Nach Dresden waren weitere Stationen das Kloster Marienthal in der Oberlausitz und von 2001 an die Stadt Görlitz. 2004 erfolgte der Umzug der Akademie nach Altdorf im Kreis Böblingen." Die Vielzahl ihrer sonstigen Aktivitäten, und auch die zahlreichen Preise und Wettbewerbe die Sie gewonnen haben im Laufe Ihres Lebens, können wir hier nicht aufzählen. Aber: Woher wissen Sie, Frau Professor Engelke, wie die Instrumentalmusik zur Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs geklungen hat, um den Untertitel Ihrer Untersuchung Musik und Sprache zu zitieren? Ulrike Engelke: „Zuerst habe ich mich darauf verlassen, was damalige Kapazitäten wie der schon erwähnte Hans-Martin Linde gesagt und praktiziert haben. Auf dieser Grundlage habe ich angefangen, Quellen zu studieren: Vokal- und Instrumentalschulen sowie allgemeine Musiklehren des 18. Jahrhunderts." Aber lässt sich denn beweisen, dass Musik im Barockzeitalter so geklungen hat, wie sie an Ihrer Akademie praktiziert wird? Ulrike Engelke: „Es gibt einen ganz einfachen Beweis für die Richtigkeit dessen, was hier erarbeitet wird: die Umsetzung in die Praxis. Simon Standage, der ständige Leiter und Violin-Solist an der Akademie, hat parallel und unabhängig dieselben Untersuchungen angestellt und ist zu denselben Ergebnissen gekommen. Deshalb müssen wir nie diskutieren über unsere gemeinsame Arbeit. Wir kommen von denselben Quellen und gelangen zu denselben Erkenntnissen, die wir ständig praktisch ausprobieren." Es kommt also auf die richtige Mischung von Theorie und Praxis an? Ulrike Engelke: „Genau. Doch bei allem Wissen über historische Aufführungspraxis hüte man sich, die Regeln allzu starr zu befolgen. Jede Interpretation sollte lebendig und natürlich bleiben, im Sinne eines interessanten Gesprächs. Und so werde ich weiterarbeiten mit der Akademie und in der Akademie, solange ich kann und andere mitmachen. In Altdorf gibt es dafür, dank der Unterstützung durch die Gemeinde, beste Voraussetzungen. Und im Übrigen freue ich mich darauf, dass bald eine neue Untersuchung von mir erscheinen wird, wo ich ausführe, was ich in Jahrzehnten der Beschäftigung mit Alter Musik dazulernen durfte."
Interview mit Ulrike Engelke in der Böblinger Kreiszeitung vom 11.05.2011Ulrike Engelke: Ein Leben für Alte MusikVON JUTTA REBMANN ALTDORF. Eigentlich hat sie gute Nerven: Ulrike Engelke, die Flötistin und Gründerin der Akademie für Alte Musik in Baden Württemberg. Aber alles hat seine Grenzen. Und so geriet die Altdorferin, die heute ihren Geburtstag feiert, doch in Panik, als der Cellist des für ein Konzert im tschechischen Liberec zusammengestellten Quintetts ohne Personalausweis an der deutsch-tschechischen Grenze zurückbleiben sollte. Der Ausweis lag- in Berlin, auch eine Fotokopie, unverzüglich an die Grenzstelle geschickt, konnte die Beamten nicht erweichen. Und so fuhr das zum Quartett gewordene Quintett weiter ins ehemalige Reichenberg. Andere Noten als die vorgesehenen Haydn-Werke waren nicht im Gepäck. Ein Cellist auch nicht. Nur Publikum gab es in rauen Mengen. Als 15 Minuten vor Konzertbeginn immer noch Kartenverkauft wurden, hielt es Ulrike Engelke nicht mehr aus. Sie musste an die frische Luft. Und sah einen ihrer Akademie-Schüler auf der Treppe zum Konzertsaal sitzen. Er kannte einen Cellisten, der um die Ecke wohnte, der auch die zu spielenden Stücke „drauf hatte". Mit Hilfe von Ehemann Helmut wurde er aufgestöbert, in den Konzertanzug gesteckt und samt Cello zum Konzertsaal gebracht. Das ahnungslose Publikum genoss einen schönen Konzertabend. Wenn man wie Ulrike Engelke auf ein reiches und erfülltes Künstlerleben zurückblicken kann, sind Anekdoten im Lebenslauf inbegriffen. Was einst der Aufreger schlechthin war, ist über die Jahre zum Geschichtchen mit glücklichem Ausgang mutiert. Ulrike Engelke, in Gleiwitz geboren, wuchs in Schönthal an der Jagst auf. Erste musikalische Sporen verdiente sie sich nach dem Umzug nach Sindelfingen im Jugendorchester der Volkshochschule Sindelfingen/Böblingen. Sie lernte Geige und Bratsche, ihr eigentliches Instrument aber sollte die Flöte werden. Im Sinfonieorchester der TH Stuttgart lernte sie 'ihren heutigen Mann Dr. Helmut Engelke kennen, der dort Konzertmeister war. Es sind Zeiten voller Erinnerung, an Reisen mit der' jungen Kantorei und ihrem charismatischen Leiter Karl Böbel in die französische Partnerstadt Pontoise, Konzerte und Aufführungen in Böblingen und der Region. An der Staatlichen Hochschule für Musik' und Darstellende Kunst in Stuttgart studierte sie Querflöte im Hauptfach, außerdem Blockflöte, Bratsche und Gesang. Im Rahmen eines Aufbaustudiums nahm sie nach dem Staatsexamen an der Musikhochschule Freiburg Unterricht bei Aurele Nicolet. Von 1976 bis 1990 war Ulrike Engelke Lehrbeauftragte für' Blockflöte an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Ihre schönste Zeit aber war die Zeit in Innsbruck, wo sie von 1984 bis 1992 als'. Dozentin für Travers- und Blockflöte bei de der Sommerakademie für Alte Musik" tätig war. Erlebnisreich sei auch die ,7eit in der DDR gewesen, wo sie von 1986 bis Zach der Wende Fortbildungskurse für Blockflötisten im Kloster Michaelstein bei Blankenburg im Harz gab. Daran nahmen jeweils bis zu einhundert Teilnehmer aus der ganzen DDR teil, es gab Kurse für Historische Aufführungspraxis an den Musikhochschulen Weimar, Dresden und in Tschechien. Ein abwechslungsreiches Lehrerdasein. Konzerte mit namhaften Künstlern in einer Zeit des Aufbruchs und des Umbruchs. 1990 wurde sie nach Dresden gerufen um an der Musikhochschule am Aufbau einer Abteilung für Alte Musik mitzuwirken. 1992 gründete sie dann die Akademie für Alte Musik, deren Direktorin und musikalische Leiterin sie war und bis heute noch ist. Die Studenten kamen aus den neuen Bundesländern, aus Polen, Tschechien und Ungarn. Renommierte Künstler und international bekannte Spezialisten für Alte Musik gaben 1 sich die Klinke in die. Hand. 1998 zog die Akademie in das Kloster St. Marienthal in der Lausitz, 2001 weiter nach Görlitz. Mehr als ein Jahrzehnt unterstützte die Boschstiftung die Akademie für Alte Musik im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen. 2004 endete diese finanzielle Unterstützung, und auch die EU fiel als Sponsor aus. Der Studienbetrieb wurde aufgelöst, die Akademie zog um nach Altdorf. Heute kann Ulrike Engelke auf ein prall gefülltes Künstlerleben zurückblicken. Mit Stolz erfüllt sie, dass viele ihrer Böblinger Schüler ihr bis heute die Treue halten und auch zu ihrem Geburtstagsfest kommen werden. So ist die Matinee am kommenden Sonntag ein Geschenk der Künstlerin an sich selbst, zu dem sie alle Freunde, Bekannte und Weggefährten der vergangenen Jahrzehnte herzlich einlädt. |