Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg e.V.

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Ansprachen und Berichte

Ansprache von Friedrich Bühler zum Abschiedskonzert der AAMOL in der Annenkapelle in Görlitz
am 14. März 2004

Sehr verehrte Frau Professor Engelke,
liebe Ulrike,
lieber Helmut Engelke, lieber Simon Standage, liebe Chia-hsuan Tsai, lieber Mark Caudle,
liebe musizierende Nachwuchskräfte für die ALTE MUSIK,
liebe Konzertbesucher und Liebhaber der feinen Klänge,

verklungen sind die bezaubernden Harmonien des Orchesters,
verklungen die Tonfolgen von Traversflöte, Blockflöten, Violine, Viola und Cello,
verklungen das brillante und einfühlsame Spiel des Cembalo,
denen wir selbstvergessen und beglückt unser Ohr geliehen – heute – und so manches Mal in den zurückliegenden sechs Jahren.

Es ist eine Stunde des Abschieds und des Dankes. Abschied gilt es zu nehmen von dieser Stadt, in der eine Akademie für Alte Musik mit großen Hoffnungen Wohnung genommen hatte vor knapp drei Jahren. Um hier richtig Wurzeln schlagen zu können, hatte sie sich entschlossen, das anspruchsvolle D, das für Dresden stand als den Ort der Gründung vor zwölf Jahren gegen ein vielsagendes OL einzutauschen. In die Oberlausitz hatte es mit vielen Versprechungen diese Akademie verschlagen – zunächst direkt an die Neiße an einen traditionsreichen Ort in das Gelände der Zisterzienserinnen-Abtei Sankt Marienthal, von wo – flankiert von einem Internationalen Begegnungszentrum der kulturelle Brückenschlag im Zeichen der reichen gesamteuropäischen Musikkultur als Aufgabe benannt und ergriffen wurde. Nichts könnte die Völker Europas überzeugender zur konfliktfreien Begegnung vereinen, als ein engagiertes gemeinsames Musizieren junger Künstler aus den uns benachbarten Ländern – angeleitet von international anerkannten Spezialisten für das Spiel auf historischen Instrumenten. Der Umzug nach Görlitz brachte der Akademie neue Wirkungsräume mitten in der historischen Altstadt und eine dankbare Zuhörerschaft dazu – der vorbenannten Grundaufgabe bleibend verpflichtet.

Der Abschied fällt schwer, aber nicht der Dank. Nicht sollen die bitteren Gründe, die den Abschied nötig machen noch einmal ausgebreitet werden. Sie sind schmerzlich genug und hinlänglich bekannt. Aber der Dank soll ausgesprochen sein und in dieser Stunde des Abschieds unsere Herzen erfüllen. Wir sagen euch Dank für allen Einsatz, für bewährtes Künstlertum, für euer schönes Musizieren. Es soll in uns nachklingen und unsere Hoffnung beflügeln, dass hier und an vielen anderen Orten Menschen innerlich wach werden, die Schätze der Kunst wie einen Vorhof des Himmels zu begreifen und anzunehmen. Wenn auch eures Bleibens an diesem Ort nicht sein kann, so begleiten unsere guten Wünsche eure künftigen Wege, dass ihr Botschafter bleiben mögt für das, was unsere Herzen froh, reich und glücklich macht.

Bericht von Anna Lesinska-Gazicka,  Łódź über die Aktivitäten der AAMOL in Polen

Państwowa Akademia Muzyczna
w
Łodzi
Łódź State Music Academy
Łódź, ul. Gdańska 16

Die Akademie für Alte Musik Oberlausitz mit Sitz in Görlitz und früher bekannt unter dem Namen Dresdner Akademie für Alte Musik hat über die letzten elf Jahre junge Musiker aus Polen auf dem Spezialgebiet der Alten Musik ausgebildet. Als die Akademie zum ersten Mal ihre Tore für Studenten aus Polen und aus anderen Ländern Osteuropas öffnete, gab es damals einen großen Bedarf an dieser musikalischen Ausbildung und an der offenen Form, in der musikalische Erfahrung erworben werden kann, die vorher in allen diesen Länder weder bekannt noch verfügbar waren.

Die elf Jahre der Zusammenarbeit haben gute Ergebnisse erzielt, nicht nur in der Form musikalischer Leistungen der ausgebildeten jungen Künstler, sondern auch in der Form sehr konkreter Veränderungen, die heute in der kulturellen Welt Polens wahrnehmbar geworden sind. Man könnte die Arbeit von Agata Sapiecha nennen, einer Abgängerin der Dresdner Akademie für Alte Musik, die eine bekannte polnische Gruppe der Alten Musik, Il Tempo, gegründet hat. Alle Mitglieder dieser Gruppe schlossen ihre Studien an der Akademie in verschiedenen Instrumentalklassen ab. Eine Sommerakademie der Alten Musik in Wilanów, gegründet von Agata Sapiecha und ihrer Gruppe, begann eine Tradition von Sommer-Workshops in Wilanów/Warschau für junge Musiker aus Polen und dem Ausland. Die Organisatoren der Sommerschule in Wilanów machten in hohem Maße Gebrauch von den Unterrichts- u. Aufführungserfahrungen, die sie an der Akademie gewonnen hatten. In größerem polnischen Maßstab hat jede der gegenwärtigen polnischen Gruppen für Alte Musik, wie z.B. Concerto Polacco oder Arte Suanatori, einige Mitglieder, die an der Akademie ausgebildet wurden.

Studenten der Staatlichen Musikakademie Łódź haben an der Dresdner bzw. Görlitzer Akademie für Alte Musik studiert und so ihre in Łódź erhaltene Ausbildung auf modernen Instrumenten durch die an der Akademie gemachte Erfahrung, auf Orginalinstrumenten zu spielen, ergänzt. Aufgrund dieser Kontakte sind die staatliche Musikakademie Łódź, vertreten durch ihre Rektorin, Frau Professor Firlej, und die Akademie für Alte Musik in Görlitz, vertreten durch ihre Leiterin Ulrike Engelke, bei einem Treffen in Łódź im Mai 2003 übereingekommen, an einem gemeinsamen Projekt über Aufführungspraxis und Interpretation Alter Musik zu arbeiten, an welchem Studenten der Staatlichen Musikakademie Łódź und der Akademie in Görlitz beteiligt sein werden.

Anna Lesinska-Gazicka, Im Dezember 2003

(Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Helmut Engelke)