Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg e.V.

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Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung zum Konzert am 15.05.2011 in der Festhalle in Altdorf

„Historisch" ist mehr als nur Schlagwort

19.05.2011 Von unserem Mitarbeiter Christoph Martin Hauff

Der Erfolg hat in der Regel mehrere Mütter. Zum einen ist die konsequente Arbeit der Jubilarin zu nennen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Der Begriff „historisch informiert" wird von Ulrike Engelke ernst genommen, ist mehr als Schlagwort. Das reicht vom Einsatz historischer oder zumindest nachgebauter Musik-Instrumente über das richtige Notenmaterial bis zur Auswertung historischer Quellen über das richtige Musizieren in der jeweiligen Epoche.

Wer noch live gehört hat, wie beispielsweise Wilhelm Furtwängler als Solist am Klavier und Dirigent eines übergroßen Streichorchesters das fünfte Brandenburgische Konzert Johann Sebastian Bach exekutierte, kann den immensen Unterschied ermessen. Was keine Abwertung des auf anderen Gebieten noch immer vorbildlichen früheren Chefdirigenten manchen europäischen Spitzen-Orchesters bedeuten soll.

Damit sind wir bei einer weiteren Erfolgsmutter: Gut gewollt alleine genügt nicht. Es muss auch gut gekonnt sein. Dafür bürgt wieder in erster Linie die Chefin Ulrike Engelke, die eine vorzügliche Instrumentalistin ist, und neben der notwendigen Ur-Musikalität auch über das notwendige technische Rüstzeug verfügt. Für die Streicher-Sektion in der Akademie hat Ulrike Engelke Simon Standage am ersten Pult, der ein ebenso gewiegter Fachmann auf seinem Gebiet ist. Und zwar ebenfalls in beiden Bereichen, dem theoretischen wie dem praktischen.

Dazu gehört dann schließlich noch ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Orchestermitglieder. Hier hat Ulrike Engelke inzwischen ein Netzwerk geknüpft, das auf nicht selten jahrzehntelange Beziehungen zurück greifen kann.

Was dabei herauskommt, ist ein abwechslungsreiches, ebenso präzis wie beschwingt musiziertes Programm. Wolfgang Amadeus Mozart ist gleich zweimal vertreten, mit seiner entzückenden Serenade Nummer Sechs KV 239 für die nahezu einmalige Besetzung von Streicher-Ensemble mit Soli und Tutti sowie zwei Pauken.

Eine wahrhaft entzückende Nachtmusik, die im Finale ein wahres Füllhorn eingängiger Melodien aufweist. Später gibt es noch das Divertimento KV 136, dem irgendein katalogwütiger Depp den Beinamen Salzburger Sinfonie angepappt hat. Salzburg als Entstehungsort: ja. Aber Sinfonie: nein. Alles Sinfonische fehlt, stattdessen drei Sätze schnell-langsam-schnell, die noch einmal den gutgelaunten Mozart erklingen lassen.

Johann Peter Salomon (1745 bis 1815) gehört zu den auf der Konzertbühne eher unbekannten Klein-Meistern. Er war Geiger, Komponist, Dirigent und Musikimpresario. Seine Romanze für Violine und Orchester in D-Dur ist ein gut geeigneter Einstieg für Simon Standage, der danach Joseph Haydns Violinkonzert C-Dur, Hob. VIIa/I zum kostbaren Erlebnis werden lässt.

Hier sitzt jeder Strich, jeder Griff, jede Passage genau am richtigen Platz, auch im begleitenden Orchester, das die ordnende Hand des Solisten überall zum historisch richtigen Klingen bringt. In seine Konzert-Kadenz baut Simon Standage mit einer Paraphrase über „Happy Birthday" einen Geburtstagsgruß für Ulrike Engelke ein.

Aber auch die Querflöte kommt in dieser Matinée zu ihrem Recht. Zunächst in einem Konzert für Flöte und Orchester D-Dur des Italieners Luigi Boccherini, der seinen Lebensabend in Madrid verbrachte. Hier beweist Ulrike Engelke ihre langjährige Vertrautheit mit diesem Instrument ebenso virtuos wie beseelt.

Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Schülerin Verena Guthy-Homolka spielt Ulrike Engelke zum guten Schluss die Sinfonia Concertante des Anton Stamitz. Der nicht unheikle Zusammenklang zweier exponierter Melodieinstrumente wird ebenso glänzend bewältigt wie ein kleiner Aussteiger in letzter Minute, der zu einer fehlerlosen Wiederholung des Finalsatzes führt.

 

Die Böblinger Kreiszeitung zum Konzert am 15.05.2011 in der Festhalle in Altdorf

Mit Schülern, Freunden, Weggefährten

Sonntagsmatinee der Akademie für Alte Musik in der Festhalle in Altdorf sehr gut besucht

Von Jutta Rebmann

ALTDORF. Ulrike Engelke, die Leiterin der Akademie für Alte Musik in Baden-Wüttemberg, hatte am Sonntag allen Grund zur Freude: Vor Konzertbeginn war erst einmal Stühleholen angesagt. Denn groß war der Zustrom der Gaste. So war das Konzert auch als Hommage an Engelke zu verstehen, die in den vergangenen Jahrzehnten mit großem Einsatz das musikalische Leben in der Region belebt hat .

Am Beginn des Konzertes stand mit 'der Serenade Nr. 6, der Serenata Notturna, eine der schönsten und innigsten Nachtmusiken von Wolfgang Amadeus Mozart. Stolz wies Ulrike Engelke darauf hin, dass jeder einzelne Künstler des. Ensembles am Sonntag eine besondere Beziehung zu ihr und der Akademie hat: Schüler oder bereits wieder Schaler von Schülern seien Dietrich Schöller-Manno (Violine),'Jirina Strynclova (Violine) und Helena Matyasova (Cello). Der Kontrabassist Ondrej- Stainochr sei der Akademie seit langem verbünden, mit Christiane (Violine) und Helmut Engelke (Bratsche) saßen außerdem Tochter und Ehemann auf der Bühne. Mit Simon Standage, den sie seit 1992 als mit ihr musizierenden Freund und Kollegen schätze, war wieder der Konzertmeister der Londoner „Academie of Ancient Music" als Primarius zu Gast. Als Paukerin beim Eingangsstück fungierte seine Frau Jenny als Überraschung mit musikalischem Einfühlungsvermögen. Standage brillierte als Solist bei der Romanze in D-Dur für Violine und Orchester von Johann Peter Salomon.. Der Komponist war lange Jahre Konzertmeister des Prinzen Heinrich von Preußen in Rheinsberg und zudem ein zu seiner Zeit sehr bekannter Konzertunternehmer, der zum Beispiel Reisen Joseph Haydns nach London angeregt und organisiert hatte. Salomons Verbundenheit mit dem Werk Haydns strahlt auch die zärtliche Romanze aus, der Standage klanglichen Glanz verlieh. Ebenfalls von Joseph Haydn beeinflusst ist Luigi Boccherini, dessen Konzert für Flöte und Orchester D-Dur als nächstes auf dem Programm stand. Nachdem Ulrike Engelke bisher als Bratschistin das Ensemble verstärkt hatte, stand sie nun mit ihrem eigentlichen Instrument, der Flöte, als Solistin auf der Bühne. Mit schönem Ton präsentierte sich die künstlerische Leiterin der Akademie für Alte Musik ihrem Publikum. Mit der Salzburger Sinfonie Nr. 1 von Wolfgang Amadeus Mozart verabschiedete sich das Ensemble in die Pause.

Solistin Verena Guthy-Homolka lässt das Publikum aufhorchen.

Als Konzertmeister und Solist von „The English Concert" hat Simon Standage sämtliche Violinkonzerte von Mozart und Haydn auf CD aufgenommen. Mit dem ungemein schön gespielten Violinkonzert C-Dur von Joseph Haydn zog er das Matinee-Publikum in seinen Bann. Mit der. Sinfonia Concertante für zwei Flöten . und Orchester in G-Dur von Anton Stamitz ging das Konzert in der Altdorfer Festhalle für viele der Gäste zu schnell zu Ende. Mit silberhellem Flötenklang ließ hier die Engelke-Schülerin Verena Guthy-Homolka aufhorchen. Die ehemalige Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums hat wie ihre Lehrerin bei Karl-Friedrich Mess in Stuttgart und Aurele Nicolet in Freiburg studiert.

Heute spielt sie in renommierten Orchestern wie dem Württembergischen Kammerorchester und dem Bachkollegium Stuttgart, dazu eine gefragte Solistin. Vielseitig flexibel, hat sie in Rundfunk, Fernsehen und CD-Produktionen mitgewirkt. Für den langen Applaus bedankten sich die Musikerinnen und Musiker mit einer Zugabe.

 

Freitag, 24. Dezember, 2010 Kreiszeitung Böblingen zum Konzert am 18.12.2010

Concerti grossi bei Kerzenschein

Weihnachtskonzert der Akademie für Alte Musik in der Festhalle in Altdorf

Altdorf (red) Kulturelles Leben im Kreis um eine Attraktion reicher", lautete Ende April 2004 die Überschrift in der KREISZEITUNG als die Akademie 2004 aus dem Osten Deutschlands nach Altdorf umgesiedelt war. Tatsächlich sind die „Barockkonzerte in Altdorf" zu einem nicht mehr wegzudenkenden kulturellen Bestandteil für den Böblinger Raum geworden.

Ein ganz besonderes Erlebnis war wieder das stimmungsvolle Weihnachtskonzert am vierten Advent, das in der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle in Altdorf zum zweiten Mal stattfand. Bei Kerzenschein musizierten hochkarätige Musiker aus Ungarn, Speyer und Altdorf Concerti grossi von Manfredini, Torelli, Vivaldi und Molter. Soli und Tutti wechseln dabei immer ab. Alle diese Konzerte haben in der Satzfolge entweder eine Siciliana oder eine Pastorale und sind als „Weihnachtskonzerte" komponiert. Sie heißen bei Manfredini Sinfonia Pastorale per il Santissimo Natale, bei Molter Concerto Pastorale, bei Torelli In forma di pastorale per il Santissimo Natale und bei Vivaldi: Il riposo - per il Santissimo Natale. Die Konzerte wurden vom Barockorchester, welches Ulrike Engelke einstudiert hatte, lebendig, musikantisch und mit viel Innigkeit vorgetragen. Sehr reizvoll war das Weihnachtskonzert von Vivaldi, bei der die Solovioline - virtuos gespielt von Janos Pilz aus Budapest - und das Orchestert con sordino eine ganz besondere, stimmungsvoll weihnachtliche Atmosphäre zauberten. Im Concerto grosso von Torelli korrespondierten die drei Solisten Janos Pilz und Daniel Spektor (Violine) und Agnes Czeh (Cello) recht eindrucksvoll und lebendig miteinander. Im Concerto grosso von G.F. Händel waren als Soloinstrumente die Sopranblockflöte, technisch versiert und tonlich sehr schön gespielt von Ulrike Engelke, und die Violine mit János Pilz eingesetzt. Ulrike Engelke konnte ihr virtuoses und ausdrucksstarkes Spiel auch bei dem Konzert für Altblockflöte und Orchester von J. Ch. Schultze unter Beweis stellen. Sie wurde dabei einfühlsam vom Barockorchester unterstützt.

Ein besonderer Höhepunkt war das Gloria von G. F. Händel für Sopran, zwei Soloviolinen und Basso continuo. Die Altdorfer Sopranistin Felicitas Erb beeindruckte mit virtuosen Koloraturen, einer ausgezeichnete Intonation sowie einer klaren, modulationsfähigen Sopranstimme.

Es war ein sehr eindrucksvolles Konzert von hohem Niveau. Viele Zuhörer begeisterten sich noch hinterher an der stimmungsvollen Atmosphäre des Saales, den hervorragenden Darbietungen und über die Möglichkeit, so ein Konzert in einer Gemeinde wie Altdorf hören zu können. Das nächste Konzert der Akademie findet unter dem Thema „Musik in Frankreich" am 24. Februar 20.00 in der Festhalle in Altdorf mit dem Kammerensemble und Simon Standage statt. Das Barockorchester wird wieder am 15. Mai 11.00 Uhr mit „Serenaden und Konzerten aus Vorklassik und Klassik" zu hören sein.

Böblinger Zeitung vom 22.12.2009 zum Konzert am 19.12.2009

Barockmusik mit Ausdrucksglut

Adventskonzert des Ensembles der Akademie für Alte Musik in der Festhalle Altdorf

Von Jan Renz

ALTDORF. Der Name ist etwas sperrig, bürgt aber für hochklassige Konzerte: Das Internationale Barockorchester der Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg wurde 1993 gegründet und hat einige Tourneen durch europäische Länder absolviert. Jetzt stimmte es mit einem Weihnachtskonzert auf die bevorstehenden Festtage ein und rundete das Jahresprogramm der Akademie ab. Der lange Abend begann und endete mit zwei dichten Concerti Grossi. Das Ensemble, von Ulrike Engelke geleitet, war an allen Pulten gut besetzt (nicht nur Cello und Kontrabass musizierten sehr genau), operierte mit warmem Klang und lieferte feinnervige, quicklebendige Interpretationen. Trotz bitterer Kälte war die Altdorfer Festhalle am Abend vor dem vierten Advent überfüllt. Das ist bei anderen Konzerten der Akademie nicht immer der Fall.

Man hörte eine ganze Reihe namenloser Barockkomponisten, die alle verblassten, als Bachs viertes Brandenburgisches Konzert erklang. Janos Pilz an der Geige war ein ungeheuer belebender, energischer, reaktionsschneller Solist. Ihm zur Seite standen als agile Blockflötisten Ulrike Engelke und Achim Dannecker. Bei Bach überzeugte die Präsenz der Stimmen, die formale Komplexität ist hoch, die spieltechnischen Anforderungen

sind enorm. Das wird vor allem deutlich, wenn man Bach mit anderem Barockmeister vergleicht. Das tat das Barockorchester. Interessant sind auch die Biografien der Musiker: Der Geiger Daniel Spektor wurde im ukrainischen Lemberg geboren, emigrierte 1973 nach Israel, um schließlich nach Belgien überzusiedeln. Dort war er Mitglied des belgischen Rundfunk-Sinfonie-Orchesters. 1977 nahm er ein Studium der Barockvioline beim großen Sigiswald Kuijken auf. Nun war er, als zweiter Geiger des Barockorchesters, zu Gast in Altdorf. Die Akademie für Alte Musik hat in diesem kleinen Dorf ihren Sitz. Hier sind auch die Schwestern Judith und Felicitas Erb aufgewachsen, aber nicht deshalb wurden sie zu diesem Konzert eingeladen: In den letzten Jahren haben sich beide zu ernstzunehmenden Liedinterpretinnen entwickelt. Sie besitzen reife, frische Stimmen, die sie klug einsetzen. So leuchteten ihre dunklen Soprane in einer Weihnachtskantate von Vincent Lübeck und einem „Laudamus te" von Vivaldi. Neben Vincent Lübeck kamen auch Komponisten wie Manfredini, Heinichen oder Johann Christoph Pez zu Wort. Die Akademie für Alte Musik will nicht nur das gängige Repertoire bieten, sondern zeigen, dass die Barockzeit ein ungeheurer, weiter Kontinent ist. Ein Musikerleben reicht nicht aus, um ihn zu erschöpfen. Das Concerto von Johann Christoph Pez ist hörenswert, es enthält ganz unterschiedliche Stimmungen. Zeitweise müssen alle Instrumente rasant musizieren. Bei einem Concerto von Heinichen standen sogar vier Blockflötensolisten auf der Bühne. Die Kantate von Lübeck „Willkommen, süßer Bräutigam" war nicht schlechte, aber schlichte Musik. Der Stil der genannten Herren ist anspruchsvoll und gefällig, aber doch sehr einförmig. Nichts davon bei Arcangelo Corelli: In seinem Concerto Grosso VIII, auf das das Konzert zulief, regiert Ausdrucksglut, und so wurde es vom Barockorchester auch umgesetzt. Es ging öfter, für alle Beteiligten, um die Wette. Erst am Ende, wenn das knappe Werk leise ausklingt, weiß man, warum es „Weihnachtskonzert" heißt: Pastorale, feierliche Töne werden angeschlagen. Man muss unwillkürlich an Bachs „Weihnachtsoratorium" denken.


Ließen ihre dunklen Soprane leuchten: Felicitas Erb und Judith Erb-Calaminus (v.l.) Foto: Musleh

 

Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung vom 24.12.2008 zum Konzert am 20.12.2008

Drive für Barock aus Meisterhand

Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Zum Abschluss seiner ersten Auflage wartete der Klassikherbst mit einem neuen Zuschauerrekord auf. Rund 160 Hörer wollten das in der Region aus zahlreichen Auftritten bestens bekannte Orchester hören. Selten zuvor freilich war das in den letzten Jahren in unterschiedlichen Besetzungen konzertierende Ensemble mit soviel hochrangigen Musikern bestückt.

Neben Konzertmeister Simon Standage war auch Violinist Janos Pilz, Primarius des renommierten Keller-Quartetts verpflichtet worden, das erste Cello spielte Marek Stryncl, selbst Leiter des Prager Barockensembles Musica Florea. Und mit Achim Dannecker (Bild: Stampe/A) an den Bockflöten sowie der Sopranistin Fanie Antonelou boten sich bei insgesamt ein Dutzend Musikern so viele Variationsmöglichkeiten, dass unterm Strich eines der vergnüglichsten weil abwechslungsreichsten Konzerte, die das Orchester die vergangenen Jahre geboten hatte, dabei heraus sprang.

Die Ansprüche des weihnachtlich gestimmten Gemüts deckte vor allem die samtig-dunkel timbrierte Sopranistin ab mit Scarlattis Weihnachtskantate, die trotz vieler Rezitative von arioser Melodik bestimmt ist, ebenso wie Bachs Arie „Schafe können sicher weiden". Platt gesagt, geht’s um Friede, Freude, Lämmerblöken und Hirtenidylle. Was auch rüber kommt, wenngleich die Akustik bei nun so vielen Besuchern im Württembergsaal ins Gesangswidrige kippte. Es spricht für Antonelous Stimmschmelz, dass sie dennoch Besuchers Ohren so zu streicheln vermochte.

Geradezu Pflicht bei barocker Instrumentalweihnacht ist auch Manfredinis Concerto grosso „Pastorale per il Santissimo Natale" mit seiner Hirtenmusikimitation, pastos und farbenfroh vom Ensemble gespielt, dank der stark an Rhythmik und Rhetorik orientierten, vibratofreien Interprationsweise indes nie kitschverdächtig.

Darüber hinaus wurde glücklicherweise sehr viel gegeben, was nach instrumentaler Brillanz verlangt. Beispielsweise ein Vivaldi-Piccolo-Konzert mit einem akrobatischen Achim Dannecker und das Vivaldi-Konzert für zwei Violinen und Cello (op. 3/11) bei dem sich Standage, Pilz und Stryncl einen eindrucksvollen Wettstreit um die Saitenkrone lieferten. Auch wegen der immensen, dennoch souverän beherrschten Tempi wurde wieder einmal bewiesen, welchen Drive Barock präsentiert aus Meisterhand entfalten kann.

 

Böblinger Zeitung vom Montag vom 22. Dezember 2008 zum Konzert am 20.12.2008

Barockorchester der Akademie für Alte Musik konzertierte in der Kongresshalle

Das Wunder der Weihnacht in Töne gefasst

VON JUTTA REBMANN

Böblingen – Das letzte Konzert des erstmals in diesem Jahr vom Amt für Kultur der Stadt Böblingen durchgeführten „Klassik-Herbstes" wurde vom Internationalen Barockorchester der Akademie für Alte Musik in Baden-Württemberg" bestritten, deren rührige Direktorin Ulrike Engelke seit Gründung

der Akademie musikalisch viel bewegt hat und die sich über die Jahre hinweg einen ganz eigenen Ruf in der musikalischen Szene erobert hat. So ließ sich auch an den Namen der Solisten und Ensemble-Mitglieder des „Per la Notte die Natale" überschriebenen Konzertabends das feingeknüpfte musikalische Beziehungsgeflecht ablesen, aus dem Ulrike Engelke schöpfen kann. Die meisten der Musikerinnen und Musiker sind ihr und der Akademie über viele Jahre verbunden. So auch die Geigerin Jirina Strynclova aus Prag, die aus gesundheitlichen Gründen leider absagen musste und für die Isabell Farr einsprang.

Der Abend begann mit Georg Philipp Telemanns Konzert in e-moll für Blockflöte, Traversflöte und Streicher, bei dem neben der Flötistin Ulrike Engelke selber ihr einstiger Schüler Achim Dannecker auf der Blockflöte brillierte. Dannecker ist Absolvent der Hochschule für Musik in Stuttgart und seit 2001 Solist und Mitglied der Akademie für Alte Musik. Als künstlerischer Leiter des Abends fungierte Simon Standage, seit 1983 Professor für Barockvioline an der Royal Academy of Music in London. Seit 1993 ist der damals noch in Görlitz beheimateten, heute in Altdorf ansässigen Akademie für Alte Musik als Solist und Konzertmeister verbunden. Als zweites Werk erklang Tomaso Albinonis Concerto f-Dur. Wunderbar gelang Alessandro Scarlattis „Cantate pastorale für Sopran und Orchester". Fanie Antonelou, in Athen geborene und in Stuttgart ausgebildete Sopranistin, gestaltete die Sopranpartie in diesem als Konzert für den Heiligen Abend konzipierten Werk mit innigem Schmelz und schönem Stimmklang. Besonders die stimmungsvolle Schlussarie beschwor die heitere Stimmung der Heiligen Nacht herauf, festlich begleitet von den Streichern.

Mit Antonio Vivaldis Concerto in C-Dur für Piccolo-Flöte und Streicher gelang Achim Dannecker als Solist eine atemberaubende Flötenpartie, zart untermalt von den gedämpft spielenden Streichern, die Spannung im Publikum löste sich erst leicht verzögert, nachdem der letzte Ton verklungen war, in einem vehementen Beifallssturm.

Innig und fein gesungen erklang Johann Sebastian Bachs schöne Arie „Schafe können sicher weiden, wenn ein guter Hirte wacht", flötenbegleitet sang sich Fanie Antonelou in die Herzen des Publikums. Mit Francesco Manfredinis „Concerto grosso" op. 3, Nr. 12, seinem Weihnachtskonzert, ging das Konzert des Barockorchesters der Akademie für Alte Musik zu Ende. Ein Konzert, das durch seine durchgängige spielerische Brillanz, durch eine feinabgestimmte Ensembleleistung überzeugte. Eine besinnliche, feinnervige Einstimmung auf das kommende Weihnachtsfest.

Böblinger Zeitung vom 7.9.2007 zum Konzert am 5.9.2007

Das Internationale Barockorchester der Akademie für Alte Musik Baden-Württemberg
in der Holzgerlinger Stadthalle

Der Klang denkbar kultiviert, die Spiellaune groß

Von Jan Renz

Holzgerlingen – Das soll Vivaldi sein?  Oft wurde ihm vorgeworfen, musikalische Dutzendware zu liefern. Unter Hochdruck produzierte er ein Konzert nach dem anderen. In der Holzgerlinger Stadthalle hörte man aber keine Klischees, sondern frische und flotte Musik aus seiner Feder, keine Spur von geläufiger Reihung simpler Versatzstücke.

Lebendig wurde die Musik durch ein engagiert aufspielendes Ensemble: Glanzvoll musizierte das Internationale Barockorchester der Akademie für Alte Musik Baden-Württemberg (AAMWü) unter der Leitung von Ulrike Engelke.

Am Anfang stand Vivaldi, aber der Mann des Abends war ein anderer: Georg Philipp Telemann: Zwei seiner großen Suiten hatte das Orchester auf sein Programm gesetzt. Diesem Ensemble zuzuhören, macht großen Spaß, denn der Klang ist denkbar kultiviert, und die Spiellaune ist groß. Es stürmt zwar nicht, aber es knistert immer. Man freut sich über diese „Fülle des Wohllauts".

Die Akademie für Alte Musik beschreitet Wege abseits ausgetretener Pfade, entreißt namenlose Komponisten der Vergessenheit und lässt bekannte Tonsetzer in neuem Licht erscheinen. Vivaldis Musik etwa klingt beseelter als man sie kennt. Und John Stanleys Musik, nur dem Fachmann bekannt, ist höchst reizvoll. Auf Vivaldi folgte ein Werk von ihm. Das Barockorchester schuf hier zerbrechliche Vielstimmigkeit. Vivaldi erklang hell, Stanley dunkel.

Telemanns Musik ist einfallsreicher, er entwirft die unterschiedlichsten Klangcharaktere. Die Musik ist oft gefällig, aber nie oberflächlich, sie kann verspielt sein und dann ins Feierliche verfallen, sie hat eine eigene Würde. Das übersprudelnde Barockorchester blieb Telemanns Stil nichts schuldig.

Die Blockflöten-Solistin Ulrike Engelke hatte es mit virtuoser Musik zu tun und enttäuschte nicht. Belebende, vorwärtstreibende Kraft war der Geiger und Konzertmeister aus Budapest: Janos Pilz. Er gehört dem bekannten, exzellenten Keller-Quartett an, das man sonst in größeren Konzertsälen hört. Pilzens Ton war nicht nur überaus schön, sondern auch rund und feurig, ganz vorne saß er auf der Stuhlkante und warf sich förmlich ins Geschehen. Die übrigen Mitglieder des Orchesters riss er mit. Bleibt zu hoffen, dass es ein Wiedersehen mit ihm geben wird, dann vielleicht vor einem größeren Publikum.

Nach der Pause konnte man in Telemanns Klangwelten eintauchen. Seiner Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Die Orchester-Suite in B-Dur ist ein grotesker Maskenreigen: Harlekine und andere bizarre Figuren wirbeln über eine imaginäre Bühne. Beim „Mezzetin de Turc" schwirrt die Musik aufgeregt – und aufregend. Das Publikum war entzückt und erklatschte eine Zugabe.

Das internationale Barockorchester der Akademie für Alte Musik trat am Freitag mit einem anderen Programm noch in der Böblinger Stadtkirche auf.

Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung zum Konzert am 5.9.2007 in der Stadthalle Holzgerlingen

Virtuoser Primarius Pilz legt Feuer

08.09.2007 - Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Das Barockorchester von Ulrike Engelkes in Altdorf ansässiger Akademie für Alte Musik spielte in kleiner aber feiner Besetzung Werke des 18. Jahrhunderts von Vivaldi, Stanley und Telemann in der Holzgerlinger Stadthalle.

Wenn das Barockorchester der Akademie zum Konzert lädt, so weiß niemand genau, was da kommen wird. Auch wenn der Name des Orchesters quasi (Barock-) Programm ist. Denn das Ensemble präsentiert sich in stets unterschiedlicher Besetzung mit freilich oft wiederkehrenden Gesichtern. Oftmals aber kann Engelke dank ihrer glänzenden Kontakte nach Osteuropa herausragende Musiker für ein Gastspiel gewinnen.

So auch diesmal. Das Streichquintett plus Cembalo und Ulrike Engelke an der Blockflöte wurde angeführt von Primgeiger János Pilz, daselbst Mitbegründer des internationales Renommee genießenden Keller-Quartetts. Zwar stand Pilz nicht als eigener Frontalsolist auf dem Stadthallenpodium, aber einige Werke, allen voran das Händel-Einflüsse verratende Concerto V John Stanleys (1712 bis 1786) gaben ausreichend Gelegenheit, Pilz in exponierter Position erleben zu dürfen.

Der erfreute dabei mit blitzender Virtuosität und dem "Oho" gerade der vorklassischen Musik: der reichhaltigen, von Pilz detailliert und scharf gezeichneten Ornamentik. Aber über seine instrumentalen Fähigkeiten hinaus zeigte er sich vor allem als schwungvoller Primarius, der mit Elan und energischem Einsatz einen Dirigenten tatsächlich überflüssig machte, die Mitmusiker merklich musikantisch befeuerte aber auch so steuerte, dass stets immer wieder kleine Schattierungen in Sachen Tempo, Dynamik und auch Klangfarbe vom homogen aufspielenden Ensemble eingestreut werden konnten, ohne dass die Geschlossenheit auf der Strecke blieb.

Gerade Stanley, aber auch eine B-Dur Orchestersuite mit clownesken Miniaturportraits von Telemann sprühten so vor Vitalität, Esprit und bei Bedarf auch von tänzerischem Geist, wobei Telemann mit dem Menuet I bemerkenswert gegen den Tanzstrich komponiert hat.

Ulrike Engelke, die als Flötensolistin einen rationalen, nüchternen Stil pflegt und nicht mit so manchem Paradiesvogel aus der Blockflöterszene verwechselt werden kann, bewies bei Konzerten von Sammartini und Vivaldi sowie einer Telemann'schen Flötensuite immer wieder gute technische Fähigkeiten und darüber hinaus auch Mut zu lebhaften Tempi, die sie freilich für Augenblicke auch mitunter an ihre Grenzen führten.

Böblinger Zeitung vom 17.9.2006 zum Konzert am 12.9.2006 in Altdorf

Konzert der Akademie für Alte Musik

Die Barockflöte zum Singen gebracht

VON JAN RENZ

Altdorf - Barockflöten können wie eine menschliche Stimme klingen, bemerkte unlängst die unvergleichliche Sängerin Magdalena Kozemi. In der Altdorfer Festhalle konnte man dies nun beispielhaft erleben: Ulrike Engelke brachte ihre Barockflöten virtuos zum Singen. Das animierende Konzert mit dem Internationalen Barockorchester der Akademie für Alte Musik in Württemberg (AAMWü) hätte viel mehr Besucher verdient gehabt. .Auf höchst lebendige Weise wurde in der schmucklosen Altdorfer Festhalle die Aktualität unverstaubter alter Werke vorgeführt. Aber nur vierzig Musikfreunde hatten den Weg in den kahlen Mehrzweck-Bau gefunden. Lag es am schönen Wetter oder dem Dienstag-Termin? Wie auch immer, die Besucher wurden mit energischer Barockmusik reichlich versorgt, und nicht erst am Ende wusste man: Dieses Ensemble ist wirklich gut.

Sechs attraktive Konzerte standen auf dem Programm, von Boccherini bis Vivaldi, eine interessante Mischung bekannter und unbekannter Komponisten. Wann hört man schon John Baston oder Francesco Mancini, der unter anderem zwanzig Opern geschrieben hat?

Es war das dritte Konzert der AAMWü in diesem Jahr und mit ziemlicher Sicherheit .das mitreißendste. Vor drei Monaten drehte sich alles um Mozarts Flötenkonzerte. Damals überzeugte die gediegene Feinarbeit des Ensembles, aber man hätte sich feurigeren Elan gewünscht. Der war bei diesem Konzert gegeben. Wünsche blieben keine offen. Höchst eindringlich wurden die sechs Konzerte dargeboten.

Die Musiker kannten keine Reserve, sondern gingen aufs Ganze. Besonders engagiert: Istvan Soltèsz, der Geiger aus Ungarn. Herzhaft wurde musiziert, prickelnd tönte das Cembalo. Der Einsatz war groß genug, dass man kleine klangliche Ungeschliffenheiten in Kauf nahm. Seit acht Jahren musizieren die Mitglieder des Internationalen Barockorchesters nun zusammen, und das merkt man. Es ist nicht nur eine Freude, ihnen zuzuhören, sondern auch eine, ihnen zuzusehen: Die Musiker halten Blickkontakt und lächeln einander zu.

Mit einem Konzert des namenlosen englischen Blockflötenvirtuosen John Baston begann der ereignisreiche Abend. Hier demonstrierte Ulrike Engelke, die Direktorin der Akademie, ihr Können. Ihr Spiel war passioniert. Sie sang auf ihrer Flöte. Der Höhepunkt des Abends war Telemanns Concerto C-Dur, höchst persönliche, sehr erfüllte Musik, die mit einem warmherzigen Thema beginnt. Musik zum Genießen. Hier kam der schöne Ton von Ulrike Engelkes Altblockflöte zum Tragen. Der aufregendste Satz des Abends war wohl die Fuge in Mancinis Concerto g-moll, mit dem der erfreuliche, erfrischende Abend ausklang. Auch hier wurde mit vollem Sound musiziert. Schlank und elegant war Frau Engelkes Flötenton, der auch Ruhe ausstrahlen konnte.

Humoristische Effekte enthält das Finale, das Publikum reagierte hörbar amüsiert. Schiller hätte es vielleicht so gesagt: Klein war das Publikum, groß der Applaus. Es gab Rosen für die Musiker, Blumen für die Solistin.

Wer noch mehr Barockmusik hören will: Am heutigen Freitag musiziert das Barockorchester der AAMWü um 20 Uhr in der Böblinger Stadtkirche.

Sindelfinger Zeitung vom 16.9.2006 zum Konzert am 12.9.2006 in Altdorf

Prickelnd und ansteckend

Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Elektrisierend und Funken schlagend, so präsentierte das Internationale Barockorchester in Württemberg von der Altdorfer Flötistin Ulrike Engelke Werke von Hochbarock bis Klassik in der Festhalle der Adolf-Rehn Schule.

Auch wenn die Festhalle nicht unbedingt das Traumambiente für stilvolles, am historischen Vorbild orientiertes Musizieren darstellt, die akustischen Bedingungen entpuppten sich als nahezu ideal für das in leicht variierender, diesmal meist aber in siebenköpfiger Besetzung auftretende Ensemble: Obertonreicher Klangfarbenreichtum und doch so wenig Hall, dass die Vorteile der artikulations- und detailfreudigen Barockinstrumente nicht verpufften.

Wobei diesmal das Orchester seinem Attribut international alle Ehre machte. Beide Violinen, Cello und Cembalo waren in ungarischer, der Kontrabass in tschechischer Hand. Die Viola besetzte Helmut Engelke, seine Frau U1rike übernahm die zahlreichen Flöten-Soloparts. Während man auf den ersten Blick den Londoner Barock-Violinisten Simon Standage vermisste, so ließ Primgeiger Istvan Soltès dessen Abwesenheit letztlich komplett vergessen.

Gleich zum Auftakt mit dem Blockflöten-Konzert des Engländers John Baston präsentierte das Ensemble Tugenden, die sich über kleine Vivaldi-Streichkonzerte und Travers-und Blockflötenkonzerte von Telemann über Boccherini bis zu Mancini wie ein roter Faden zogen. Glut- und blutvolle, so prägnante wie präzise Rhythmik, von Vibratosahneschlacke freie Klangfarbe und in allen Bereichen stets homogen gestaltete Terrassendynamik. So ging kein Instrument, kein Detail verloren.

Souverän gemeisterte Tempi

Dazu gesellten sich sehr forsche, vom Orchester souverän gemeisterte Tempi. Kurzum: prickelnd, funkelnd, ansteckend. Und, nicht selbstverständlich, boten auch die Werke Abwechslung. Die langsamen Sätze mit sanglicher Melodik verrieten bei Telemann den galanten Stil, das Rondo den Klassiker Boccherini, Fugiertes bei Mancini den Barockzenit und prägnante Figuren wie tränenreiche Seufzer der Geigen bewiesen, dass Ausdrucksstärke kein romantischer Monopolbesitz ist.

U1rike Engelke fand in kantabel-langsamen Bereichen dank sanglich gedachter Linienführung und großer tonlicher Entfaltung zu stark expressiven Momenten. In den vielen, mit Herausforderungen gespickten raschen Sätzen offenbarte sie überzeugende Technik.

Akademie für Barockorchester im September 2005 in Altdorf

In der Woche vom 5. bis 11. September veranstaltete die Akademie für alte Musik in Württemberg zum ersten Mal eine Orchesterakademie.

Die Teilnehmer – Berufsmusiker und zwei barock-interessierte Laienmusiker – wurden von Anfang an ins renommierte internationale Barockorchester (IBOW) integriert, dessen Mitglieder als Profi-Barockmusiker vorwiegend in England, Ungarn, Tschechien und Polen tätig sind.

Unter der überaus kompetenten und mitreißenden Leitung von Prof. Simon Standage aus London, langjähriger Konzertmeister im „English Concert" und der „Academy of Ancient Music", wurden Werke von J. S. Bach, G. Muffat, A. Vivaldi, G. P. Telemann u. a. einstudiert. Besonderen Eindruck machte auf mich die Beschäftigung mit dem Concerto Grosso op. 6/12 von G. F. Händel und die spätere Aufführung dessen. Simon Standage lockerte seine fundierten Erläuterungen öfters mit (hintergründigem) Humor auf, so dass die Probenzeit wie im Flug verging.

Über Stilfragen und Aufführungspraxis in der Barockzeit referierte die Direktorin der Akademie, Prof. Ulrike Engelke.

Die Musikfortbildungswoche schloss mit drei beeindruckenden Konzerten in Böblingen und Altdorf. Die Solisten waren Ulrike Engelke und Achim Dannecker (Flöten), Simon Standage und Janos Pilz (Barockviolinen), Agnes Czéh (Barockcello) und Chia-Hsuan Tsai (Cembalo).

Die nächste Akademie für Barockorchester wird voraussichtlich im September 2006 in Altdorf bei Böblingen stattfinden.

Monika Straßer

Böblinger Zeitung am 13.9.2005
über das Konzert am 9. September 2005 in der Stadtkirche in Böblingen

Historisches aktuell und lebendig

Von unserem Mitarbeiter Christoph Martin Hauff

Das Wesentliche vorab: Beim Internationalen Barockorchester in Württemberg bleibt die versuchte Annäherung an das historische Klangbild nicht musealer Selbstzweck. Vielmehr wird bei jedem Ton spürbar und hörbar, dass es um mehr geht als um historische Korrektheit, nämlich um lebendige Auseinandersetzung mit dem überlieferten Notentext.

Das Internationale Barockorchester in Württemberg um Ulrike Engelke ist eingebettet in die Akademie für Alte Musik, die heute ihren Sitz in Altdorf hat. Dort werden aktiv Musizierende aus aller Herren Länder, vorzugsweise aus ehemaligen Ostblockländern, zusammengeführt, um unter der Leitung von Simon Standage, Professor an der Royal Academy of Music zu London, miteinander zu musizieren.

Historisch richtig und aktuell lebendig zu musizieren, wie hinzugefügt werden darf, denn Standage ist ausgewiesener Fachmann für alte Musik sowie praktizierender Musiker auf der Barockvioline.

Dabei ist das Klangbild zunächst gewöhnungsbedürftig, weil in der Böblinger Stadtkirche die etwas instabile Akustik Probleme für diese Art von Musik aufwirft. Nach wenigen Takten jedoch goutiert das Ohr die klangliche Delikatesse der tiefen Stimmung und genießt Johann Sebastian Bachs Konzert a-Moll BWV 1044 wie einen im Holzfass gereiften edlen Rotwein. Weshalb dieses Stück so selten gespielt wird, bleibt auch nicht lange unklar.

Es ist ein hochkonzentriertes Stück Musik, geboren aus dem Geist des Kontrapunkts, schroff und abweisend zuweilen bei aller Musizierseligkeit im langsamen Mittelsatz. Das Zusammen- und Auseinanderwirken der obligaten Instrumente Cembalo, Flöte und Violine funktioniert einzig dann, wenn ein so ideal aufeinander eingespieltes Trio wie Chia-Hsuang Tsai, Ulrike Engelke und Simon Standage musiziert. Exzellent hörbar wird die Herkunft des thematischen Materials aus dem Kirchenlied, nicht selten ist man versucht, summend oder leise singend einzustimmen.

Ähnlich überzeugend gelingen die öfter in Konzertprogrammen zu hörenden Brandenburgischen Konzerte Nr. IV BWV 1049 und V BWV 1050, sowie das E-Dur-Violinkonzert BWV 1042: Reiner Hörgenuss ist das exzellente Zusammenspiel von Ulrike Engelke und dem Sindelfinger Edelgewächs Achim Dannecker auf ihren Blockflöten mit dem Geiger János Pilz auf der Barockvioline.

Das V. Brandenburgische Konzert hingegen gilt mit Recht als Geburtsstunde aller Klavierkonzerte, die große Kadenz im Kopfsatz wird von Chia-Hsuang Tsai mit einleuchtender Klangrede, dennoch höchst virtuos interpretiert. Zur alles andere als langweiligen Lehrstunde wird das Violinkonzert mit dem Maestro himself als Solisten. Gerne und mit Anerkennung seien alle Mitwirkenden im Tutti namentlich genannt, die in gleichwertiger Partnerschaft mit den Solostimmen musizieren: Agnes Kértesz, Helmut Engelke, Agnes Czéh, Onderej Stajnochr und Judit Varga.

2006 wird es, nach dem erfolgreichen Konzert in Altdorf mit Werken von Händel, Muffat, Telemann und Vivaldi voraussichtlich eine mehrtägige Neuauflage der Arbeit in der Akademie für Alte Musik geben.

Coburger Tagblatt vom 29.09.03

über das Konzert in der Hofstube der Veste Coburg am Samstag, 27.09.2003

Formidables Musizieren

...."als in einer Veranstaltung des Kulturbüros der Stadt im Rahmen der "Tage alter Musik" das Internationale Barockorchester Görlitz der Akademie für Alte Musik Oberlausitz gastierte. Angeführt von Ulrike Engelke wartete es mit Werken der Großmeister des Hochbarock: Telemann, Bach und Vivaldi auf historischen Instrumenten und formidablem stilechten Musizieren auf.

In den einzelnen Positionen fast ausschließlich solistisch besetzt, demonstrierten die Musici aus Ungarn, Tschechien, Polen und Deutschland Barockmusik der Spitzenklasse in technischer Brillanz, gestalterischer Meisterschaft und kammermusikalischem Zuschnitt.

Der Auftakt bildete die Orchestersuite in g-moll,  "La  Changeante" von Georg Philipp Telemann in Septettbesetzung. Festliche punktierte Klänge stimmten die französische Ouverture an , deren fugiertes Allegro locker und transparent musiziert wurde. Die stilisierten Tänze pendelten charaktervoll zwischen tänzerischem und kammermusikalischem Gestus und erklangen rasant bis gemächlich und besinnlich. Besonders prägten sich die zweifache Hornpipe und der federnde Canarie ein.  Im 4.   Brandenburgischen Konzert von Johann  Sebastian Bach  sind die Solovioline und zwei Blockflöten dem Tutti der Streicher gegenübergestellt. Mit gestochenen Figuren und Läufen bestach der Geiger Janos Pilz im Kopfsatz. Aber auch die Flöten, gespielt von Ulrike Engelke und Achim Dannecker standen ihm in der Virtuosität in keiner Weise nach. Im Andante stimmte das Solistentrio einen beseelten, wiegenden Gesang an. In beiden Sätzen sorgte das Ripieno für eine sichere harmonische und rhythmische Stütze. Die abschließende hinreißende Presto-Fuge wurde von allen Beteiligten mit musikantischem Schwung und in großer Transparenz gemeistert.

Anstelle von Händels zwölftem Concerto grosso erschien Antonio Vivaldis Blockflötenkonzert in C-Dur auf der Vortragsfolge. Schier artistisch und in nachtwandlerischer Sicherheit meisterte Achim Dannecker den Solopart in den Ecksätzen auf der Sopranino - Flöte, während er den langsamen Mittelsatz großbögig , kantabel und mit deutlicher Ornamentik zum Vortrag brachte. Das Miniorchester wechselte geschickt zwischen kraftvollem Tutti und zarter Begleitung.

Gekonntes Wechselspiel

Formal einer Sonate da chiesa gleicht Telemanns Konzert e-moll für Block- und Traversflöte und Streicher , das das Konzert in der Hofstube  ausklingen ließ. Achim Dannecker und Ulrike Engelke gestalteten die beiden Larghi sicher duettierend und dialogisierend, das Allegro prononciert imitierend und das Alla - Polacca  - Finale mit Vehemenz. Das Orchester gefiel durch gekonntes Wechselspiel zwischen Tutti und Continuo, einem kultivierten und präzisen Pizzikato im dritten und rustikalem Ostinato im vierten Satz. Als Zugabe erklang als da capo "Les Sccaramouches" aus der Telemann- Suite ."

Hans Höfer

Neue Presse Coburg vom 29.09.2003

Über das Konzert in der Hofstube der Veste Coburg am Samstag, 27.09.2003

Die hohe Kunst der authentischen Interpretation

..........."Mit insgesamt vier Werken der Barockzeit demonstrierte das Orchester die hohe Kunst der authentischen Interpretation auf Instrumenten dieser Stilepoche.

Dies gelang bereits mit der eröffnenden Orchestersuite g-moll "La Changeante" von Georg Philipp Telemann in vorzüglicher Manier. Mit energischem Zugriff und beachtlicher Geschlossenheit spielte sich das Ensemble in die französische Ouverture, ließ eine ruhevolle Loure (ein Favorittanz des Komponisten) folgen und gab dem Scaramouche nervöse Aufgeregtheit. Auch die übrigen 5 Tanzsätze vom Menuett über den sehr stilisierten Hornpipe bis hin zur abschließenden Canarie-Gigue hörte man vom Orchester ausgesucht korrekt und präzise musiziert , wobei man sich zuweilen etwas deutlichere dynamische Differenzierung gewünscht hätte. Nach diesem rein orchestralen Auftakt ging es unmittelbar zu einem der beliebtesten und bekanntesten Werke von Joh. Seb. Bach , seinem Brandenburgischen Konzert Nr. 4 , G-Dur, BWV 1049. Vorzüglich besetzt war dabei  das Concertino mit Ulrike Engelke und dem jungen Achim Dannecker  (beide Altblockflöte) und mit dem ungarischen Geiger Janos Pilz, der in hervorragender Weise den angestammten Ensembleleiter Simon Standage vertrat. Die recht beschwingte Temponahme des Allegro-Kopfsatzes gab den beiden Altflöten bereits hier die Gelegenheit , ihre profunde Grifftechnik perfekt umzusetzen und sie kombinierten dies mit makelloser und luftfreier Tongebung, nahezu ideal im Klangtimbre harmonierend. Ebenso lupenrein intonierte Janos Pilz auf seiner Barockvioline, seine kontrapunktischen Passagen stets genau eingepasst in das Wechselspiel der Blasinstrumente. Der schwebende Charakter des Andante gelang den Solisten in gleicher Weise wie dem Orchester und die konzertante Fuge des Presto offenbarte noch einmal neben der Virtuosität der Soloinstrumente ihre gestalterischen Fähigkeiten beim nahtlosen Zusammenspiel.

Anstelle eines vorgesehenen Concerto grosso von Georg Friedrich Händel wurde das Programm nach der Pause fortgesetzt mit dem Konzert C-Dur für Diskantblockflöte und Streicher von Antonio Vivaldi. Hier beherrschte Achim Dannecker das kleinste Instrument der Blockflötenfamilie vom ersten Ton an mit absoluter Fingerfertigkeit. In den beiden Ecksätzen gelangen ihm die halsbrecherischen Sequenzen und das rasante Laufwerk ohne Fehl und Tadel, unvermindert in der Tonqualität aller Lagen und atemtechnisch bestens eingeteilt. Das Largo bestätigte ihn als uneingeschränkten Kenner barocken Zierwerks, das er in natürlichem Maß einzusetzen wusste.

Georg. Ph. Telemanns  Konzert e-moll für Blockflöte, Traversflöte und Streicher stand am Ende der Vortragsfolge. In Form einer Sonata da chiesa beginnt das Werk mit einem erlesenen Duett der beiden Flöten, wobei sich die Traversflöte von Ulrike Engelke dem Klang der Altblockflöte von Achim Dannecker klanglich ungemein näherte und kaum einen Kontrast zuließ. Beide atmeten die gleiche gesangliche Linie, auch beim zweiten Largo-Duett, dem das Orchester einen präzisen Pizzicato-Hintergrund bot. A la Polacca mit Dudelsackquinte und stehender Harmonik fand das Werk  einen ebenso handfesten wie freudigen Ausklang. In den anhaltenden Beifall mischten sich auch einige Bravos. Der Dank des Ensembles folgte in Form der Reprise des Scaramouche-Satzes aus der Telemannsuite."

Martin Potyra

Kritik zum Konzert des Kammerensembles und Barockorchesters  Ganz Europa der Akademie für Alte Musik Oberlausitz im Rahmen des 29. Schlesisches Musikfest 2001 im Schloß Fürstenstein bei Walbrzych (Polen),  Samstag, 16. Juni 2001, 17.00 Uhr.  
"Der Einfluß der polnischen Folklore in den Tanzsätzen von Telemann, Händel und Bach"

Rezension vom 25.7.01 in der Sächsischen Zeitung

Ein Hochgenuss der lieblichen Kunst

Im Rahmen des Schlesischen Musikfestes boten die Veranstalter ihrem Publikum ein ganz besonderes Konzert für Kenner und Liebhaber der   Alten Musik am 16. Juni2001 im Schloß Fürstenstein. Das Barockorchester (Akademie für Alte Musik) zog schon bei ihrem ersten Konzertstück Concerto Grosso, Georg Friedrich Händel, alle Zuhörer in ihren Bann. Hier stimmte einfach alles: Ein Klangkörper wie aus einem Guss brachte den Lauschenden einen Hochgenuss der lieblichen Kunst, der alle Erwartungen übertraf. Dazu der Rahmen des alten Schlosses mit seiner entsprechenden Atmosphäre, einfach ein einmaliges Erlebnis im Maximiliansaal.
Der lang anhaltende Beifall sprach für sich, die Zuhörer wurden reich beschenkt, denn diese Musik erreichte Tiefen der Seele. Ein Herr sagte nach dem Konzert, dass man jetzt eigentlich schweigen müsste, damit die wunderbare Musik noch recht lange nachklingen kann. Einer der Abende des Schlesischen Musikfestes, den man so schnell nicht vergisst. Danke!

H. Zeuner, 02826 Görlitz

Zwei Kritiken zu Konzerten des Barockorchesters GANZ EUROPA in San Daniele del Friuli am 9. 10. 1999 und in Fogliano bei Gradisca d’Isonzo am 10. 10. 1999 anläßlich einer Italienreise des Orchesters.

Rezension vom 12. 10. 99 in der Tageszeitung Il Gazzettino

Meisterhaft "barock"

Bach, Telemann und Haendel mit Standage. Heute abend ein weiterer Auftritt am Theater "Bon" von Colugna

San Daniele del Friuli

Mit den IV Internationalen Festspielen, für die drei Konzerte, eine Tanzaufführung (am nächsten Samstag im Palazzo Torriana von Gradisca) und eine internationale Konferenz, die sich mit der vielseitigen Persönlichkeit Santoninos und dem patriarchalischen Panorama des 15. Jahrhunderts (Samstag ganztägig) beschäftigt, vorgesehen sind, durchlebt die umfassende Aktivität der "Akademie mittelalterlicher Studien 'Jaufré Rudel' " in Gradisca d'Isonzo einen bedeutsamen Augenblick.

Der erste Teil der Veranstaltungen, bei dem die Konzertmusik im Vordergrund stand, verherrlichte mit den meisterhaft von der Dresdner Akademie für frühe Musik ausgeführten Stücken, unter der Leitung des Violinisten Simon Standage, die Fresken der Kirche von S. Antonio Abate in S. Daniele. Es handelte sich um einen Streifzug durch die klanglich überragenden Werke von Bach, Telemann und Haendel, die uns das Ensemble von herausragendem Niveau nahebrachte, und das aus Streichern und Cembalo, mit der Beteiligung zweier Interpreten an der Barock-Querflöte, zusammengesetzt ist.

Es wurde ein Konzert von entschieden europäischem Niveau dargeboten, wie es in unserer Region, vor allem an namhaften und bemittelten Theaterhäusern, nur allzu selten der Fall ist.

Die Musiker richten sich nach der Lehre der altehrwürdigen Überlieferung, die philologische Glaubwürdigkeit vereint mit expressiver Spannung ermöglicht. Meisterhaft war nämlich die Dynamik, mit welcher Standage das "piano" und "forte" über weite Bereiche streckte; all dies hätte jedoch zu keiner außerordentlichen Wirkung geführt, wenn nicht die perfekte Intonation der Streicher, die tadellose Genauigkeit des Cembalos, die präzise klangliche Anmut der beiden Flöten gewesen wären, die uns einen verfeinerten Telemann vortrugen, und der uns in der "Verfremdung" auf türkische, schweizerische, moskauer Art der Suite der Nationen auf angenehme Weise bizarr erschien.

Intensiv und taktgenau erlebten wir Bach und Haendel, die es uns ermöglichten, den schönen konzertierenden Klang der Geige Stendages, der ein formidables, aus Jugendlichen gebildetes, Ensemble anführte, zu genießen. Das Publikum erschien nicht sehr zahlreich, aber es zeigte sich zu Recht von seiner herzlichen Seite. Heute abend wird um 21 Uhr die Dresdner Akademie im Theater "Luigi Bon" von Colugna erneut mit ihrem Konzert auftreten. Kartenbestellungen sind unter der Nummer 0432.403939 möglich.
Marco Maria Tosolini

Die Tageszeitung II Mesaggero Veneto schreibt am 12. 10. 99:

Die "alten" Meister von Dresden

Glänzendes Recital in Fogliano - Heute abend im Bon-Theater

Fogliano-Redipuglia:  Die Akademie für mittelalterliche Studien "Jaufré Rudel" dehnt mit ihren Musikern und Wissenschaftlern ihren Horizont immer mehr jenseits der Grenzen, auf der Suche nach mehr Europa, aus. Das Ensemble, das eben von einem ausgiebigen Konzertaufenthalt in Perugia, genauer in Trevi, zurückgekehrt ist, hat in diesen Tagen eine Konferenz organisiert und ein Buch von Paolo Santorino in Druck gegeben, das für die Kenntnis der patriarchalischen Wirkung in den ultramontanen Gebieten der Krain (dem heutigen Slovenien) von großer Bedeutung ist. Im Friaul gewährt es seine Gastfreundschaft der Dresdner Akademie für frühe Musik, einer angesehenen Einrichtung, die sich der Wiederentdeckung der Musik aus der Zeit des Generalbasses widmet und hierzu alte Instrumente verwendet, aber auch in zeitgenössischen Notationen nach einer geeigneten Lesart sucht, um den glänzenden Blüten des Barocks ihre Aromen und Farben gekonnter zu verleihen.

Nach dem Erfolg von San Daniele hat das Ensemble, das aus Lehrern und Schülern aus ganz Europa besteht, und das an einem gemeinsamen Projekt zusammen mit der Akademie "Jaufré Rudel" beteiligt ist und heute abend im Luigi-Bon-Theater von Colugna auftreten wird, eine weitere ausgezeichnete Kostprobe seiner Kunst in der Kirche von Santa Maria delle Grazie, besser unter dem Namen Santa Maria del Monte bekannt, geliefert. Dem Ensemble gelang es, diese kostbar geschmückte Kirche mit eigenen musikalischen "Fresken" zu bereichern.

Bei ihrer Abendvorstellung haben die sächsischen Musiker ihre Stücke mit Erfolg - bei vollem Respekt und mit größter Sorgfalt im Hinblick auf die alten Spielgewohnheiten - ausgeführt: Angefangen beim technisch gekonnten Einsatz des barocken Bogens, bis hin zum Rhythmus, ob auf dem Papier verzeichnet oder nicht, ob zweigepunktet oder mit Saccadées versehen oder gar over-dotting, und schließlich beim Einsatz der Agogik, in typischen Vortragsformen, wie sie jenseits der Alpen in den deutschen und romanischen Gebieten üblich sind.

Zur Eröffnung hat das Ensemble erfolgreich das "Konzert in E-Dur, BWV 1.042, für Geige, Streicher und Generalbaß" von Johann Sebastian Bach ausgeführt. Dabei wurde mit großer Bravour durch entsprechende tempi die elegante Sprache charakterisiert. Das zweite glücklich gewählte Stück war das "Konzert in D-Dur für zwei Flöten, Geige, Violoncello, Streicher und Generalbaß" von Georg Philipp Telemann. Die Musiker auf den barocken Soloinstrumenten (Ulrike Engelke und Barbara Brazdova, Querflöten, Simon Standage, Geige, Marek Strynck, Violoncello, und Judit Varga, Cembalo) verstanden es, uns das Stück in all seiner Pracht und in seinem galanten Stil darzubieten.

Mit dem zweiten Teil wurde das Publikum zeitlich an einen Hof aus der Epoche der Aufklärung zurückversetzt, um die "Suite der Nationen in B-Dur", ebenfalls von Telemann, life mitanhören zu können. Deren wundervolle Struktur wurde mit erlesenem Geschmack und mit Angemessenheit komplettiert, um ihr feine Rhythmen und Farben zu entlocken.

Zum Abschluß wurden die "Dresdner" mit herzlichem Applaus für ihre glanzvolle Interpretation des "Konzerts in d-Moll für zwei Geigen und Streicher, BWV 1.043" von Bach, belohnt. Unter den Solisten, allesamt hervorragend, waren auch Peter Barczi und Leszek Firek (Barockgeigen).

Auf eindringlichen Wunsch erfolgte als Zugabe das berühmte und verträumte "Largo" aus dem "Concerto grosso in h-Moll, op. VI, Nr. 12" von Georg Friedrich Haendel. Man darf davon ausgehen, daß die Musikliebhaber aus unserer Region heute abend die mit Begeisterung erwartete dritte Etappe der berühmten deutschen Formation im Luigi-Bon-Theater von Colugna zahlreich besuchen werden.

Lucio Raimondi