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Zum Verständnis der Interpretation historischer MusikHistorische Musik kann auf zwei ganz verschiedene Arten wiedergegeben werden:
Die zweite Art erscheint uns heute als der richtige Weg, historische Musik lebendig und im Sinne des Komponisten wiederzugeben, erfordert aber auch ein umfangreiches Studium der alten Quellen. Hier finden wir viele Anhaltspunkte, die uns den Willen des Komponisten in der Darstellung der Affekte, in Vortragsbezeichnungen, in der Instrumentation und in Anweisungen zur Interpretation zeigen. Hinzu kommt das Studium der Ornamentik. Auch hier gab es in den einzelnen Ländern und in verschiedenen Zeitabschnitten umfangreiche Regelwerke. Bei der frühen Musik des 16./17. Jh. muss sich der Musiker zunächst mit der Notation und den Temporelationen und dem Tactus auseinandersetzen. Um die einzelnen Entwicklungsphasen der Musik in den verschiedenen Zeitabschnitten unterscheiden zu können, bedarf es eines umfangreichen Fachwissens. So änderten sich nicht nur die Notation und ihre Lesarten sondern auch Instrumente, Spieltechnik und das jeweilige Klangideal. Es lassen sich viele alte Meister zwar auch auf modernen Instrumenten gut interpretieren. Verwendet man aber historische Instrumente in der alten Spielweise, so erschließt sich dem Musiker die Intention des Komponisten und die Klangwelt eines Werkes sehr viel besser und oft mit dem Vorteil, dass technische Probleme auf den gemäßeren historischen Instrumenten leichter zu bewältigen sind als auf modernen. Nikolaus Harnoncourt schreibt in seinem Buch "Musik als Klangrede": "Wenn die Musik vergangener Epochen überhaupt noch in einem tieferen und weitgehenden Sinn für die Gegenwart aktuell ist, wenn sie in ihrer ganzen Aussage - oder doch zu einem größeren Teil, als das normalerweise heute der Fall ist dargestellt werden soll, muss das Verständnis dieser Musik von ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit her wieder erlernt werden . Wir müssen wissen, was die Musik sagen will, um zu erkennen, was wir mit ihr sagen wollen. Also muss jetzt zum rein Gefühlsmäßigen, zur Intuition, das Wissen kommen. Ohne dieses historische Wissen kann historische Musik nicht adäquat dargestellt werden." |